Fitnessvertrag kündigen

Kann ich meinen Vertrag mit dem Fitnessstudio vor Ablauf der 2 jährigen Laufzeit kündigen?

Viele Fitnessstudios bieten Verträge mit einer festen Laufzeit von ein oder zwei Jahren an. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist oft zusätzlich geregelt, dass sich der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, wenn der Kunde nicht mit einer entsprechenden Frist vorher kündigt. Daraus entstehen viele Fragen und oft auch Probleme.

Widerruf des Fitnessvertrages innerhalb 14 Tage nicht möglich

In den meisten Fällen wird der Fitnessvertrag im Fitnessstudio geschlossen. Die 14 tägige Widerrufsfrist gilt aber nur für gesetzlich besonders geregelte Arten des Zustandekommens des Vertrages, z.B. bei Haustürgeschäften oder Fernabsatzverträgen über Telefon oder Internet. Daher kann ein Fitnessvertrag, der im Fitnessstudio geschlossen wird, nicht widerrufen werden. Der Vertrag ist ab Unterschrift des Kunden für die vereinbarte Laufzeit fest geschlossen.

Vertragslaufzeit prüfen

Nach der aktuellen Rechtslage sind Verträge mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren unproblematisch und daher wirksam. Nicht möglich sind Vertragslaufzeiten von mehr als zwei Jahren ab Unterschriftenleistung, da der Kunde dabei unangemessen benachteiligt werden würde.

Ebenfalls unproblematisch ist eine automatische Verlängerung des Vertrages um ein Jahr, da auch damit der Kunde (noch) nicht unangemessen benachteiligt wird.

ACHTUNG: Ab dem 01. März 2022 gilt hierzu eine neue Gesetzeslage!
Der Bundestag hat ein Gesetz gegen lange Vertragslaufzeiten beschlossen. Danach sollen Verträge für Mobilfunk, Streaming, Fitnessstudios & Co. künftig in der Regel nur noch eine Laufzeit von einem Jahr haben. Längere Verträge bleiben aber weiterhin erlaubt.

Kündigung während der Laufzeit

Die vereinbarte Vertragslaufzeit verhindert eine Kündigung vor dem Ende der vereinbarten Laufzeit. Eine frühere Kündigung ist daher nur bei unwirksamer Laufzeit oder einem wichtigen Grund möglich.

Jedoch muss auch während einer fest vereinbarten Laufzeit eine Kündigung aus wichtigem Grund möglich bleiben. Ein wichtiger Grund liegt aber erst dann vor, wenn einer Vertragspartei aus objektiver Sicht die Fortsetzung des Vertrages nicht mehr zugemutet werden kann.

Erkrankung als Kündigungsgrund

Erkrankt der Kunde des Fitnessstudios nach Vertragsschluss ernstlich und dauerhaft, kann er den Vertrag – mit ärztlichem Attest – außerordentlich kündigen. Der Arzt braucht hierzu nur die Sportunfähigkeit ohne Angabe der Erkrankung zu bescheinigen. Kunden sollten in einem solchen Fall innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis des die Kündigung rechtfertigenden Umstandes kündigen. Entscheidend für die Wirksamkeit der Kündigung ist das Eingangsdatum beim Fitnessstudio.

Das Fitnessstudio darf diese Kündigungsmöglichkeit jedoch nicht ausschließlich auf eine Erkrankung beschränken. Vielmehr muss dem Kunden die Kündigung in allen Fällen eines wichtigen Grundes möglich bleiben, entschied der Bundesgerichtshof in einem Urteil (Aktenzeichen XII ZR 42/10). Dabei führten die Richter eine Schwangerschaft, die keine Erkrankung ist, als Beispiel heran.

Umzug als Kündigungsgrund

Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2016 (Aktenzeichen: XII ZR 62/15) entschieden, dass ein Wohnortwechsel grundsätzlich kein wichtiger Grund ist, der zu einer außerordentlichen Kündigung berechtigt. Dies gilt selbst dann, wenn ein Bundeswehrsoldat an einen anderen Ort versetzt wird.

Form der Kündigung

Sinnvoll ist eine Kündigung per Einschreiben mit Rückschein, oder man lässt sich den Empfang direkt vom Studio auf dem Schreiben bestätigen.

Übrigens:
Freizeitsportlern darf nicht verboten werden, zum Training eigene Getränke mitzubringen. Das hat das Oberlandesgericht Brandenburg mit Urteil vom 25. 6. 2003 (Aktenzeichen: 7 U 36/03) entschieden. Anderes gilt nur, wenn das Fitness-Studio Getränke zu moderaten und handelsüblichen Preisen anbietet oder aus Sicherheitsgründen die Mitnahme von Glasflaschen verbietet.

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